Sonntag, 23. September 2012

Restaurant Weinrot: Service jenseits von Berlin




Über das Restaurant Weinrot im Savoy-Hotel hatte ich schon mal geschrieben (http://essen-in-berlin.blogspot.de/2011/06/weinrot-im-savoy-hotel.html). Und weil es mir immer (auch beim vierten Besuch) so gut gefällt, bin ich noch einmal hingegangen – Mit der Prinzessin und zwei blaublütigen Begleitern (Verwandtschaft der Prinzessin). Und weil es wieder so gut war, gibt es einen kurzen Beitrag über das Weinrot, der demjenigen über das Weingrün diametral gegenübersteht.

Wir waren zum sogenannten Weinmenü da. Vier Gänge plus ein Amuse Bouche wurden zusammen mit fünf begleitenden Weinen gereicht. Diese kamen aus der Bourgogne und aus Franken (dreimal Juliusspital), inklusive Wasser und Café standen dafür 75 Euro pro Person auf der Rechnung. Das ist wirklich ein sehr fairer Preis für das, was geboten wurde. Die Weine überzeugten ebenso wie das Essen, wo sich z.B. Teltower Rübchen Suppe oder Linumer Wiesenkalb auf den Tellern wiederfand. Das ist Küche auf sehr hohem, aber nicht schwindelerregendem Niveau.

 Darin unterscheidet sie sich vom Service, denn der war perfekt und stände jedem Sterne-Restaurant gut zu Gesicht. Wir wurden den ganzen Abend von Jasmin Zimmermann verwöhnt (stand auf ihrem Namensschild – ich hätte doch niemals im Beisein der Prinzessin nach dem Namen einer fremden Frau gefragt…).  Sie schenkte stets nach; wenn das Brot alle war, brachte sie neues. Das ganze Timing stimmte: Leere Teller wurden zügig abgetragen und Gläser rechtzeitig eingesetzt (Fachausdruck – dort gelernt) und natürlich auch gefüllt. Und das alles bei konstanter Freundlichkeit – man glaubt, man hat Berlin verlassen.

Fazit: Es bleibt eine der besten Adressen für gutes Essen, tolles Ambiente und den besten Service.

Montag, 17. September 2012

Rôtisserie Weingrün: Wenn das Schlechte liegt so nah




Das mit der Nähe ist schnell erklärt: Der Laden, ein Eckrestaurant, ist so nah, dass ich von zu Hause gut hinlaufen kann. Oder ihn regelmäßig links liegen lassen werde.  Das Schlechte ist etwas aufwändiger  zu beschreiben. Und es war nicht alles schlecht – aber vieles. Gut war fast nichts. Heute gehen wir mal chronologisch vor. Es war ein Mittwochabend. Das Morgenpostmenü war angekündigt mit dem „Gespür für Gastronomie“, über das der Inhaber verfügt, dem auch das Alte Zollhaus und das Aigner am Gendarmenmarkt (ganz in Ordnung) gehören. Das war wohl ironisch gemeint.

Also wir, d.h. die Prinzessin und ich kommen rein. Der Raum sieht eigentlich ganz gemütlich aus: Warme Farben, eine Wand voller Weinflaschen, Holzfußboden und eine Decke aus Ziegelsteinen. Gut, dass der Raum hoch und die Decke weit genug weg war, sonst hätten die Spinnweben ins Essen gehangen. Es ist laut wie in einer Kreuzberger Eckkneipe. Wir schreien uns an ohne zu streiten.

Das Restaurant war knallvoll. Rund 60 Leute. Es waren noch zwei Tische frei. Zum einen der Katzentisch direkt im Eingang, der kein Zwei-Personen-Tisch sondern ein halber-vier Personen-Tisch war (Abstand zum Nachbartisch: 2 cm). Den fanden wir nicht so gut. Den anderen Tisch sollten wir nicht haben. Die charmante Restaurantleiterin (auch ich kann Ironie) hatte den für etwas anderes vorgesehen. Die Prinzessin fragte dann noch mal beim Kellner. Der fiel seiner Chefin in den Rücken und der Tisch war unser. Der Service arbeitete an diesem Abend zum ersten (und letzten) Mal zügig. Die Oliven, die zur Begrüßung auf dem Tisch standen, verschwanden und kamen nicht wieder.  Auf diesen Schrecken hätten wir gerne einen Aperitif genommen. Wir bekamen aber sofort und ungefragt den Wein zum ersten Gang. Währendessen blickte die Prinzessin auf den Werbehinweis für Aperol Sprizz. Dann kam erst einmal 45 Minuten nichts. 

Dann kam der erste Gang. Und etwas später auch das Brot mit Quark. Das Essen war von Gang 1 bis 3 in Ordnung und die Weine dazu eigentlich auch. Es ging los mit einem Kartoffelrösti mit Lachs und Kaviar (nicht vom Stör), dann kam Paprikacremesüppchen. Vor dem dritten Gang fragte der Kellner, bei welchem Gang wir denn gerade seien. Dann kam die Makrele. Doch halt, vorher kam die Restaurantleiterin und schickte sich an, den dritten Wein wieder ins gleiche Glas zu kippen. Da haben wir um saubere Gläser gebeten. Böser Fehler: Der Mann mit „dem Gespür für Gastronomie“ hatte sich überlegt, dass das Glas drei Gänge halten soll (zweimal weiß, einmal rosé). Das stand auch auf der Menükarte. Die hatten wir allerdings nicht. Die Restaurantleiterin konterte: „Sie haben sich einfach umgesetzt.“ – Ich „Nein. Ihr Kollege hat uns den Tisch gegeben.“ Dann legt sie schnippisch-freundlich den Arm um mich, bringt anschließend die Karten vom Katzentisch und verweist auf die 3-Wein-1-Glas-Regelung. Ja, in Eckkneipen geht es manchmal rund. Aber wenn der Inhaber ein Weingut sein Eigen nennt,  sollte das eigentlich nicht der Fall sein. Immerhin kam dann ein neues Glas. Anders als das nachbestellte Brot. Die erste Portion hatten wir in den langen Wartezeiten aufgefuttert. Der durchaus bemühte Azubi (und mehr Servicepersonal gab es und gibt es auch sonst nicht (Antwort auf Nachfrage) - zu Erinnerung: 60 Leute hatten Hunger) hatte sogar gefragt, ob er auch noch Quark bringen solle. Quark kam nie. War wohl aus. Es kam nach zweimaligem Nachfragen wenigstens noch etwas Brot.  Der Wein zum Hauptgang diente vor allem der Frustbewältigung genau wie der süße Nachtischbegleiter.

Ein Lob muss ich jetzt aber doch noch loswerden: Zum Hauptgang gab es ein Schweinenackensteak vom Flammenwandgrill. Wunderbar saftig, tolle Röstaromen. Dieses Küchengerät ist der einzige Grund, warum in der Überschrift kein Wortspiel mit „Flammenwerfer“, zur gebotenen Behandlung der Rôrisserie steht. Die Beilagen waren nicht der Rede wert. Der Nachtisch war ein Palatschinken mit Marmelade. Der war ganz ok, aber schon halb aufgegessen, als der Wein kam. Beim Bezahlen funktionierte dann meine EC-Karte nicht. Die hat halt auch gastronomisches Gespür. Das war das Ende eines der übelsten Restaurantbesuche in meiner Karriere als „Lokal-Redakteur“.

Fazit: total überforderter Service, sehr laut, kein besonderes Essen. Wenn überhaupt nochmal, dann „Flammenwand-Fleisch to go“.

Im Internet unter http://www.rotisserie-weingruen.de/ 

Dienstag, 4. September 2012

Restaurant „Deux ou trois choses”: französisch mal anders

Vor einiger Zeit habe ich mal zum „schlesisch blau“ in der Köpenicker Str. gebloggt. Das „Deux ou trois choises, benannt nach einem französischen Godard-Film aus den sechziger Jahren, gehört dem gleichen „Patron“ und liegt nur ein paar Häuser entfernt. Es ist einen Besuch wert. Bedingung: Keine Diät, kein schnödes Vegetarierdasein und der Wille, auch mal was anderes als fettfreies Filet zu futtern. Geboten wird französische Bistrot-Küche aus Lyon und die ist eine Ecke entfernt von Bocuse und Co.: Es gibt schon mal Pferd und Schweinenase, im Oktober wird ein Schlachtfest veranstaltet, bei dem alles verwertet wird, was die Sau hergibt usw. Bei unserem Besuch (wir = die Prinzessin und ich) wurde ein leichtes sommerliches vier Gänge Menü angeboten, das mit 34 Euro auf der Karte steht. Zum süßen Einstieg gab es Melone mit Banyul-Süßwein (lecker, aber eher ein Nachtisch). Der zweite Gang war dann schon etwas spezieller, aber eine Delikatesse: Hechtkklößchen mit Kalbsnierchen und Specksauce und oben drauf Wildkräuter. Der Hauptgang war perfektes und pochiertes Lammfilet (nach den Nierchen sei das erlaubt) mit aromatischen Paprika und einer Paste aus Knofi und Anchovis (sog. Anchoviade). Die passte toll, war aber noch bis nächsten Mittag präsent (für mich selbst) bzw. vermutlich zwei Tage lang (für Dritte). Der Abschluss war ein marinierter Weinbergpfirsich und Ziegenkäseeis – auch beides gut, aber nicht so herausragend wie Gang Nr. 2 und 3. Außerdem sehr positiv zu erwähnen: Ein Gruß aus der Küche - Ein Apfelsorbet, das mit Anis gewürzt war. Abgerundet wird dieser gute Eindruck durch den netten und aufmerksamen Service.

Rustikal-schlicht ist das Ambiente: Holztische, aber Stoffservietten, Holzfußboden und helle Wände. Insgesamt Altbauatmosphäre, gemütlich, aber etwas laut. Und für den Winter gibt es einen Kamin. Das leckerste Essen schmeckt natürlich nicht ohne ein oder zwei gute Tropfen. Der erste Tropfen war ein Glässchen Rosé-Cremant, der mit 4,50 Euro fair kalkuliert war, genau wie der Liter Evian, für den 5,50 Euro auf der Rechnung stehen. Anschließend gab es noch ein Fläschchen Wein. Ein Südfranzose aus der alten und recht seltenen Traubensorte  Viognier, der gut passte und (hier und generell) empfehlenswert ist. Er ist mit 29 Euro nicht geschenkt, aber preislich vollkommen in Ordnung.

Fazit: Richtig gutes, aber nicht alltägliches Essen und ein stimmiges Gesamtkonzept. Zum Schlachtfest gehen wir wieder hin.

Dienstag, 7. August 2012

Roter Jäger: Lohnt sich mehr als Sterneküche…

… für den Restaurant-Chef -  in dessen Portemonnaie. Ich gehöre zu den bekennenden Fans von Christian Rachs Fernsehsendungen. Damals Teufels Küche, Restaurant-Tester sowieso und auch die Restaurant-Schule ist eine nette Idee. Da lag es nahe, auch mal den Roten Jäger zu besuchen, wo die zweite Staffel spielte. Der Eindruck ist gemischt.

Ich habe innerhalb von sehr kurzer Zeit zweimal da. Einmal mit der Mutter „vom tollsten Kind der Welt“, die mich schon ins „La Raclette“ begleitet hatte (sie findet jeweils den Inhaber attraktiv) und natürlich mit der Prinzessin.

Wer die Sendungen von Rach kennt, kennt sein Rezept, auch die hinterletzte Speisegaststätte auf Vordermann zu bringen: Nette Optik und einfache (Koch)rezepte, die was hermachen, aber keine Höchstleistungen in der Küche erfordern. So läuft das auch im Roten Jäger. Es gibt drei Menüs mit Fisch und Fleisch und vegetarisch. Ich habe beide mit Tier probiert. Man kann sie als drei oder vier Gänge Menü bestellen. Ich hatte jeweils drei. Das kostet dann knapp unter 30 Euro. Man bekommt in der Fleischvariante einen Salat (gepimpt mit Kürbiskernen und Croûtons) mit drei Stückchen kurzgebratenem Fleisch, die aufgespießt sind. Und die Spieße stecken senkrecht in einem Holzbrett. Schmeckt gut und ist lustig anzusehen. Kann ich aber auch selbst kochen, ohne mich zu verausgaben. Beim Fischmenü gab es Salat mit hausgebeiztem Lachs. Schmeckt auch gut. Habe ich kein Rezept für, könnte ich aber auch.

Die Hauptspeise nennt sich Schnitzel, ist aber ein Rumpsteak, das aufgeschnitten wird. Meins war anständig gebraten, als ich mit der Nichtprinzessin da war, schmeckte es wie gekochte hohe Rippe. Fisch war Zander. Dazu jeweils ein Paar Wedge Potatoes und ein Sour Cream mit grünem Pfeffer. Alternativ war ein Stück gebratener Zander. Alles ok, aber portionsmäßig sehr übersichtlich. Auf dem Niveau ist auch der (normal reichliche) Nachtisch: warmer Schokokuchen bzw. Erdbeeren mit Eis.

Der Service ist erstaunlich gut (wenn auch die Zahl der „Fernsehstars“ überschaubar war). Da hat Rach seine junge Mannschaft im Griff. Serviert wird von rechts. Es gibt die Frage, ob alles in Ordnung usw. Mein vergessenes Bier fällt kaum ins Gewicht. Insgesamt passt das Serviceniveau nicht zum Essen.

Das Vorstehende schreit nicht unbedingt danach, den Roten Jäger zu besuchen. Das abwechslungsreiche Brot ändert daran nichts. Das bleibt einem nämlich im Halse stecken, wenn man den günstigen Wein für 3 Euro/0,1 l probiert.  Das ist für den gebotenen Geschmack eine Unverschämtheit. Bier ist auch teuer (0,5 l für 4,20 Euro). Herr Rach hat da offensichtlich nicht nur die Idee aus Hamburg importiert, sondern auch die Preise und denkt bei der Kalkulation an sein mittlerweile geschlossenes Tafelhaus (das war sein Sterne-Tempel). Die Preise sind wohl notwendig, um die beiden schicken Häuser, die für den Roten Jäger zusammengelegt wurden, zu refinanzieren.  Und so voll wie es jeweils war, wird das schnell gelingen. Man kann online reservieren – und bekommt dann ein Zeitfenster von zwei Stunden genehmigt. Dafür bekommt man ein ganz gemütliches Ambiente, das ein bisschen berlintrashig, aber auch modern ist, bei eng stehenden Tischen. Das Publikum ist eine bunte Mischung aus Berlinern und Touris. Und so mancher sieht aus, als ob er endlich mal beim Sternekoch essen wollte, aber dafür eigentlich keine Kohle hat. Das gelingt, aber mit Sterneküche hat das einfach gar nichts zu tun. Wenn einen am Gendarmenmarkt der Hunger packt: Lieber ein Schnitzel bei Luther&Wegner oder Thai im Good Times (Hausvogteiplatz).

Fazit: (Ein)Mal hingehen, um zu sagen, dass man da war. Keinen Wein trinken. Das 2-Stunden-Zeitfenster ist ausreichend.

Im Internet unter http://www.roterjaeger.de/

Sonntag, 5. August 2012

Ming Dynastie: Qualle statt süß-sauer

Jahrzehnte habe ich eine tiefe Abneigung gegen chinesisches Essen gehabt. Der Grund liegt in der Kindheit. Da gab es eine China-Restaurant, das viel Auswahl an pampigen Gemüse in undefinierbaren und meist süßlichen Saucen hatte. Das ist überwunden und auch die Ming Dynastie hat dazu beigetragen.

Das Restaurant liegt quasi im Schatten der chinesischen Botschaft an der Jannowitzbrücke, direkt an der Spree. Bei schönem Wetter kann man draußen am Fluss sitzen. Optisch macht das Ganze nicht viel her. Das Restaurant hat sich im Jannowitz-Center eingemietet, der vielleicht leerstehendsten Büroimmobilie in Mitte, und von innen ist die Ming-Dynastie sowas von typisch China-Restaurant, dass ich mich an meine Jugend erinnert fühlte. Aber die Chinesen würden wohl keine Glutamatbude in unmittelbarer Nachbarschaft der Botschaft dulden. Und tatsächlich: Das Essen ist richtig gut. Es finden sich die typischen Chinagerichte auf der Karte, aber auch durchaus ungewöhnliche Kreationen – jedenfalls für europäische Gaumen.
In Begleitung meiner Prinzessin stürzten wir uns ins Abenteuer. Die Hühnerfüße haben wir dann doch lieber den zahlreichen Asiaten überlassen, die dort immer anzutreffen sind. Ungefragt wurden wir vom freundlichen Service kompetent beraten. Die Fischmagensuppe sollten wir nicht bestellen, da die nur teuer sei, aber nicht nach viel schmecke und die Chinesen sie nur essen würden, weil sie teuer sei. Ich bestelle deshalb die Rinderinnereien in einer superscharfen Chilisauce und die Prinzessin bestellt sich einen Quallensalat, der angenehm glibrig war, aber „super geschmeckt“ hat (Vorspeisen rund 8 Euro). Beim Hauptgang waren wir dann nicht mehr ganz so mutig, aber trotzdem war es untypisch und gut: Ich hatte zartes Lammfleisch, das kräftig mit Kreuzkümmel gewürzt war und mit frischem Koriander serviert wurde und die Prinzessin hatte einen Tontopf voll mit Meeresfrüchten und Tofu (Hauptspeisen rund 15 Euro). Und schon wieder Begeisterung. Alles schmeckt frisch und hat einen differenzierten Geschmack. Der ist weit weg vom Einheitsgeschmack vom China-Express an der Ecke. Dies wurde nur durch das Glas chinesischen Rotwein getrübt, der nahezu untrinkbar war (Finger weg.). Beim nächsten Mal gibt wieder ein Tsingtao Bier.

Fazit: Chinaessen, wie ich es besser noch nicht gegessen habe.

Tipp: Am Wochenende gibt es Büffet mit „all you can eat,“ und für alle Westberliner, die sich nicht in den Osten trauen: Im Europacenter, dem schicken Einkaufstempel aus den Zeiten des Mauerbaus, findet sich eine Filiale.

Im Internet unter http://www.ming-dynastie.de/


Samstag, 28. Juli 2012

Maison de l’Entrecôte – ein guter erster Eindruck

Dieses Mal war ich in einem Restaurant, das so neu war, dass ich noch nie etwas von ihm gehört hatte. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um ein im Aufbau befindliches Steak-Restaurant. Das findet sich im Indigo-Hotel, das im Frühjahr in der Nähe des Alexanderplatzes aufgemacht hat und zwar nordöstlich, wo zurzeit jeden Tag ein neues Hotel aufmacht. Das Hotel gehört zur Interconti-Gruppe und bietet vier Sterne. Das Restaurant ist also in erster Linie ein normales Hotel-Restaurant und als solches eine positive Überraschung. Ich war dort im Rahmen der „Winzerbattle“. Da gibt es drei Gänge zu essen und jeder Gang wird von zwei Weinen begleitet, den zwei Winzer beisteuern. Begleitet von verbalen Duellen der beiden werden die Speisen serviert und am Ende wird abgestimmt, welcher Winzer gewonnen hat. 40 Euro muss man für diesen Spaß anlegen. Lustig und feucht fröhlich war es, da reichlich nachgeschenkt wurde vom netten und aufmerksamen Service.  Da arbeitet ein frisches und dynamisches Team.  Es agiert in einem gelungenen Ambiente: Weiße Tischdecken, dazu eine dunkelbraune Möblierung kombiniert mit einem hellen Holzfußboden bringen Wohlfühlatmosphäre. Raucher können Ihrer Sucht im unmittelbar angrenzenden Innenhof nachgehen.

Prinzessin war diesmal nicht mit dabei, stattdessen begleitete mich ein ehemaliger Arbeitskollege, der richtig Karriere machen wird, denn er ist jetzt PR-Berater. Er hat mich ausdrücklich darum gebeten, ihn nicht als „mein Prinz“ zu titulieren. Da wir beide sehr hetero sind, halte ich mich daran.
Zum Start gab es einen Caeser Salad. Das war ein knackiger Blattsalat mit einer Scheibe Aubergine mit einem guten Dressing, aber bei dem Titel hätte man etwas mehr erwartet.  Zum Hauptgang gab es dann – wie beim Namen des Restaurants zu erwarten – ein Entrecôte mit Pommes. Das war geschmacklich gelungen: Gut gebraten und schön zart. Auch der Nachtisch bleibt in guter Erinnerung: Ein Schokotörtchen mit flüssiger Füllung, Schokoeis und ein Schokopudding.   

Fazit: Stimmige Angelegenheit. Hotel scheint sich für Veranstaltungen zu eignen, damit man nach langweiligen Sitzungen im Entrecôte lecker essen kann.

Samstag, 14. Juli 2012

Balthazar: Stimmig und gut essen


Nichts ist schlimmer als gewollt und nicht gekonnt. Wenn draußen „Chez yx – restaurant français“ dransteht und man drinnen auf Kellner trifft, die den Gästen Rotwein aus der Region „Märlott“ anpreisen, oder das Ambiente edel ist und aus der Küche Tütenfraß kommt. Das Balthazar ist das Gegenteil. Da passt alles zusammen und deshalb haben die Prinzessin und ich einen wunderbaren Abend gehabt. Es wird auf hohem Niveau gekocht und serviert, wobei keine Auszeichnungen  mit Sternen, Mützen oder ähnlichem angestrebt werden. Dafür wird man von dem, was auf den Tisch kommt, satt. Und das ist eine Funktion der Nahrungsaufnahme, die ich nicht unterschätze.
Das Balthazar liegt ganz schön tief im Westen am Ku’damm in der Nähe vom Adenauerplatz. Aber der weite Weg aus Mitte lohnt sich – aber nur abends, denn mittags ist leider geschlossen. Innen findet sich weiße Tischwäsche, die langen Bänke an den Wänden sind genau wie die Stühle schwarz bezogen, und der Holzboden schafft Behaglichkeit. Es gibt auch die Möglichkeit draußen zu sitzen, wo aber trotz gestalterischer Elemente die Hauptstraße nicht weggezaubert werden kann.
Wir hatten das Glück, dass das Morgenpostmenü angeboten wurde. So haben wir einen schönen Überblick über die Kochkunst des Herrn Zurbrüggen bekommen. Die umsatzsteigernde Frage nach dem Aperitif wurde zwar zweimal gestellt (was mir lieber ist, als wenn keiner kommt, um mich zu versorgen), dafür war sie so formuliert, dass man sich mit einer Wasserbestellung aus hätte aus der Affäre ziehen können. Haben wir aber nicht. Der (sehr trockene) Haussekt steht später mit 7 Euro auf der Rechnung, Wasser kostet 6 Euro. Das ist fair kalkuliert.
Das Menu ist sommerlich-frisch ausgelegt. Am Anfang steht ein asiatischer Sommersalat mit Garnelen, Mango und Avocado. Hat uns prima geschmeckt. Der Rucola hätte aber besser erst vor dem Servieren untergemengt werden sollen. Die zu den Gängen gereichten Weine, zum Salat ging es los mit einem südfranzösischen  Sauvignon Blanc, der – wie alle Weine – sehr leicht war. Gut gefallen hat mir der Chardonnay aus Spanien. Er stammt aus der Region Somontano. Das liegt südlich der Pyrenäen irgendwo zwischen Katalonien und Rioja. Er begleitete eine geeiste Zitronengras-Paprika-Suppe mit Thunfisch-Tartar. Schmeckte so gut, wie es klingt. Das gilt auch für den Kalbstafelspitz auf Petersiliensauce mit Kartoffel-Erbsensalat, zu dem ein südafrikanischer Rosé gereicht wurde (etwas verwirrend: Jahrgang 2012 – die sind da unten schon weiter als wir). Einzig der Hauptgang konnte mich nicht so recht überzeugen. Das Dreierlei vom Stubenküken wurde mit getrüffeltem Kohlrabi serviert und der schmeckte so stark trüffelig (wobei ich den Geschmack grundsätzlich mag), das er alles dominierte. Dazu ein Südfranzose aus der Merlot-Traube. Großartig dann wieder der Nachtisch. Ein Limetten-Mirin-Parfait (Mirin ist ein süßer japanischer Reiswein) und eine Erdbeermousse  waren so schön angerichtet, dass man gar nicht anfangen mochte zu essen. In guter Tradition habe ich in Revanche für den ein oder anderen Schluck Wein in Gang 1 bis 4 den Großteil an die Prinzessin abgetreten. Begleitet wurde dieser letzte Gang von einem Prosecco-Aperol und ich habe – sehr nett – stattdessen noch ein Glas vom spanischen Chardonnay bekommen.
Dazu ein netter und guter Service, der Spaß an seiner Arbeit hatte, ein Gruß aus der Küche (Käse-Spinatsüppchen) und dreierlei Aufstrich zum frischen Brot. Was will man mehr? Das Balthazar passt für den netten Abend zu zweit ebenso wir für ein Business-Essen.

Fazit: Begeisterung, weil alles zusammenpasst - auch das Preis-Leistungsverhältnis (auch wenn man nicht das Glück hat, zum Morgenpostmenü da zu sein.)