Montag, 5. September 2011

Restaurant "Il punto": Mangare Bene in Mezzo*

In der Zeitung war es angekündigt, als „das Speisezimmer de Politik“. Das hängt mit der Geschichte zusammen, die gewisse Ähnlichkeit zur StäV** aufzeigt. In den Zeiten der Bonner Republik hatte der Patrone eine Pizzeria in Bonn. Nach einer Zwischenstation nahe dem Brandenburger Tor (hat die StäV nicht gemacht – sie würde aber was das Publikum angeht, ganz gut dahin passen), ist das il punto jetzt in der Neustädtischen Kirchstraße, im Eck zwischen UdL*** und Friedrichstr. Die Ecke ist terra incognita, denn bis vor gar nicht so langem war dort alles verrammelt wegen alter US-Botschaft und dann war alles Baustelle und gesperrt. Jetzt kann man aber tatsächlich wieder durchfahren. Wir haben aber angehalten und es uns gut gehen lassen.

Das Morgenpostmenü im August füllte das Haus in der Sommerpause. Und es war wunderbar: Aufmerksamer Service, gediegene Atmosphäre in hochwertigem Ambiente und trotzdem gemütlich. Während der Sommermonate ist auch der Innenhof zum Restaurant umgebaut. Nett gemacht, aber die Hofatmosphäre bleibt – also drinnen reservieren. Das Essen bestand aus fünf Gängen. Eine bunte italienische Mischung – natürlich ohne Pizza, aber mit Nudeln, Kalbscarpaccio, einer Kartoffel-Lauchcremesuppe mit Trüffel und Fisch als Hauptgang. Ein bisschen mehr Fleisch wäre nicht schlecht gewesen, dann hätte der Rotwein, ein Primitivo aus Apulien auch nicht runtergekühlt werden müssen, um ihn passend zum Fisch zu machen. Kreative Idee, aber geschmacklich nicht überzeugend. Unschön war auch der Korkgeschmack im Roséwein. Der wurde zwar sofort ausgetauscht, aber ein Schlückchen vorher hätte das überflüssig gemacht. Perfekt hingegen ein Weißer aus Sizilien, ein Piano Maltese, der mir so gut schmeckte, dass ich ihn zum Dessert noch einmal getrunken habe, da ich nicht so ein großer Fan von süßem Asti bin.

Auch die Kleinigkeiten stimmten: Frische Brötchen mit Kräutern, Oliven und Peperoni und dazu ein fantastisches Olivenöl zum Dippen. Und unser Hinweis auf die fehlende zweite Flasche Wasser auf der Rechnung wurde mit zwei Limoncello aufs Haus belohnt. Molto Bene.

Fazit: Ein richtig guter Italiener – mitten in Mitte. Das Küchenniveau liegt deutlich über „à la Mamma“, die Preise aber auch. Für das, was man bekommt, ist es aber wirklich ok. Beim Lunch kommt man günstiger weg. Gehe wieder hin, ins Speisezimmer der Politik.

*Lecker essen in Mitte

** Ständige Vertretung (rheinische Schenke am Schiffbauerdamm)

*** Unter den Linden

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen